Stuttgarter Nachrichten, Peter Schwarz
... Bestimmte Formen wiederholen sich, die Farbe nimmt oftmals ähnliche Wege. Kraftzentren und Schwunglinien schälen sich heraus... Das sprüht und tobt -und doch bilden sich Muster inmitten der Gischt, die tosende Wucht hat eine Grundrichtung und viele Nebenrichtungen, die einander gegenseitig in einer spannungsvollen Balance halten...
... Am Ende entstehen Bilder, die etwas festhalten vom Wesen der Bewegung; und mehr: vom Wesen der Kunst.
Stuttgarter Zeitung, 03.09.2001, Petra Mostbacher-Dix
Die Rapmusik hat die Offenbarung gebracht
... Gabriele Kleefeld gehört zu den Menschen, die stetig im Bilde sind. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Denn die Werke der Stuttgarter Malerin entstehen nicht mit dem Pinsel in der Hand, sondern mit den Füßen auf dem Boden... Gabriele Kleefeld ertanzt sich ihre Bilder.
Das ist eine Arbeitsweise, die die 41-jährige schon Mitte der 80er-Jahre entwickelte. Damals war sie Studentin der Klasse K. R. H. Sonderborg an der Stuttgarter Akademie der Bildenden Künste... Neben ihrem Kunststudium machte sie eine Ausbildung in Steptanz, trainierte zudem andere Richtungen wie Modern oder Jazz Dance und stand in diversen Compagnien auf der Bühne... Ich wollte beides verbinden, diese innere Geste des Tanzes im Bild umsetzen.“
Ein Wunsch, zu dem natürlich eine adäquate Lösung her musste. Und die war gar nicht so einfach zu finden… Bis sie schließlich auf Rapmusik stieß. ,“Die Musik hatte durch ihre Texte, ihre Direktheit eine wahnsinnige Sprengkraft für mich, sie war wie ein Katalysator.“ Mit dem Effekt, dass Kleefeld zu den rappenden Rhythmen... auf dem Boden liegende Hartfaserplatten mit Farbe beschüttete, um mit nackten Füßen darüber zu tanzen. Am Anfang zumindest....
... Mittlerweile tanzt sie ihre Bilder in konzentrierter Stille... Eigentlich klar, hat sich doch Kleefeld nie als Performance- oder Cross-over-Künstlerin, schon gar nicht als Aktionistin irgendeiner Tanzform gesehen... „Mir geht es um die innere Geste, darum bin durch und durch malerischen Mitteln wie Farbe, Form und Format verpflichtet.“
... „Wenn ich über das Farbgerüst tanze, zerstöre ich es“, sagt sie. Man muss immer bereit sein, von einer äußeren Form Abschied zu nehmen, und gleichzeitig offen genug, zu schauen, wo es weitergeht.“

